«Die Zunge kann lügen - der Körper nie»
Was Körpersprache über den Menschen verrät
Mit eingesunkenen Schultern und gefalteten
Händen sitzt der Kandidat im Bewerbungsgespräch. Noch hat er kein
Wort gesagt, doch Unsicherheit und Nervosität sind ihm anzumerken.
Nicht immer ist das Befinden eines Menschen so deutlich an seiner
Haltung abzulesen. Doch die Körpersprache verrät mehr über die
Gedanken, als den meisten bewusst ist.
Foto: ddp
Wien (ddp). Mit eingesunkenen Schultern und
gefalteten Händen sitzt der Kandidat im Bewerbungsgespräch. Noch hat
er kein Wort gesagt, doch Unsicherheit und Nervosität sind ihm
anzumerken. Nicht immer ist das Befinden eines Menschen so deutlich
an seiner Haltung abzulesen. Doch die Körpersprache verrät mehr über
die Gedanken, als den meisten bewusst ist. «Die Zunge kann lügen -
der Körper nie», schreibt der Pantomine und Körpersprache-Experte
Samy Molcho in seinem neuen Ratgeber «Körpersprache des
Erfolgs».
Einerseits verraten Gestik, Mimik und
Körperhaltung viel über die Persönlichkeit eines Menschen,
andererseits könne das eigene Auftreten bewusst verändert werden,
erklärt der Fachmann. «Wir können unsere eigene Körpersprache
korrigieren», sagt Molcho. Das sei allerdings ein Prozess, der
voraussetze, dass der Mensch sich selbst kennen lernt. «Es ist eine
Frage der Überwindung.»
Dabei spielten Erziehung und Gewohnheiten
eine Rolle. «Viele Menschen werden zu unauffälligem Verhalten
erzogen, damit sie sich nicht bloßstellen», sagt der Buchautor. Wer
sein Leben erfolgreich meistert, ruhe aber in sich und trete
souverän auf. Dazu gehöre auch, mit anderen Menschen zu
kommunizieren. Molcho: «Und Kommunikation heißt, sich zu
öffnen.»
Wer beispielsweise mit geöffneten Armen
spricht, signalisiert Vertrauen und Selbstsicherheit. Wer die
Oberarme dagegen an den Oberkörper presst, ist dem Experten zufolge
wenig risikobereit. «Erfolgreich sein heißt, etwas über den Standard
zu erreichen», unterstreicht der Fachmann. Erfolg sei dabei nicht
mit Wohlstand und Geld gleichzusetzen, sondern bedeute, mit Mut
etwas Neues zu wagen.
Dabei gilt es, auch unangenehme Situationen
zu meistern. Vor einem Vorstellungsgespräch sollte sich der Bewerber
bewusst machen, dass er nicht als Bittsteller in die Firma kommt.
«Wer sich bewirbt, hat etwas anzubieten. Das sollte er auch zeigen»,
betont Molcho. Er könne auch überlegen, woher die Nervosität kommt,
ergänzt Diplom-Pädagoge Axel Janßen vom Deutschen Verband für
Coaching und Training (DVCT). «Dann kann der Kandidat an der Ursache
arbeiten.»
Gegen Lampenfieber empfiehlt Janßen folgende
Tricks: Vor dem Spiegel quer auf einen Stift beißen. Wer über sich
selbst lacht, erfahre eine Hormonausschüttung, die dem Stress
entgegenwirke. Auch wer die Arme hebt und dabei kräftig und laut
flucht, könne Nervosität abbauen. «Die aktive Körpersprache
übertrumpft unangenehme Gefühle», beschreibt Janßen die Wirkung der
Übung.
Viele Menschen würden sich zu wenig Zeit für
die Fremdwahrnehmung der eigenen Person nehmen, hebt Janßen hervor.
Sein Tipp: Gute Freunde bitten, das eigene Auftreten neutral zu
beschreiben. «Dadurch wird dem Bewerber meist schon bewusst, was er
an sich selbst mag und was nicht.» Automatisch werde er
beispielsweise die Schultern straffen oder den aufrechten Gang
üben.
Auch der sichere Stand sei eine wichtige
Grundlage für ein selbstbewusstes Auftreten, unterstreichen die
Spezialisten. Als Faustformel gilt: Zwischen die Füße sollte eine
Schulterbreite passen. Allerdings muss sich jeder wohlfühlen. «Wer
einmal probehalber etwas breitbeiniger steht als gewöhnlich, hat
meist gleich einen festeren Stand», sagt Janßen.
Ein weiteres Augenmerk legen die
Körpersprache-Fachleute auf die Kleidung. Wer sich dem Dresscode
anpasse, fühle sich in der Regel wohler. Janßen rät, Anzug oder
Kostüm im Alltag zu testen. «Wer erst für das Vorstellungsgespräch
aus der Jeans ins schicke Outfit steigt, fühlt sich verkleidet.» Das
sei an der Körpersprache ablesbar, erklärt der
Verhaltenstrainer.
Im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten gelte
es, bestimmte Distanzen einzuhalten. Die gesellschaftliche Distanz
betrage 1,50 bis 2,50 Meter. Die Verhandlungs- oder
«Nummer-sicher»-Distanz vier bis acht Meter. «Diese Distanzen werden
im Alltag zum Teil sträflich vernachlässigt», berichtet der Coach.
So genannte «Schultertätschler» würden im Business zum Beispiel als
sehr unangenehm empfunden.
Allerdings müsse immer der Kontext
berücksichtigt werden. Räumliche Bedingungen oder Mentalitäten
spielen eine wichtige Rolle. Janßen: «Die Rheinländer brauchen
weniger Raum als die Hamburger.» In Italien seien Berührungen
angesagt, während sie in Skandinavien als unangenehm empfunden
würden. «Wichtig ist, ein Gespür für die Situation und den
kulturellen Kontext zu entwickeln.»
Ähnliches gelte für den Blickkontakt.
Grundsätzlich sollte der Gesprächspartner sein Gegenüber nicht
länger als drei bis vier Sekunden anschauen und dem anderen dann
eine kleine Pause gönnen. In einer Gesprächsrunde sollte der Redner
darauf achten, allen Teilnehmern einen Blick zu schenken und
niemanden auszuschließen.
(ddp)
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