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Montag, 31. Juli 2006
Heute schon gelobt worden?
Selbstbewusst im Job

Manche Vorgesetzte lassen es an Lob und Anerkennung fehlen. Nicht immer, weil es die Mitarbeiter nicht verdient hätten. Wer nicht gelobt wird, sollte deshalb nicht gleich an sich selbst zweifeln, rät der Psychologe Stefan Baier aus Offenbach.
 
"Managementmethoden sind heute in großem Ausmaß darauf ausgerichtet, dass Beschäftigte eigenverantwortlich handeln können, ohne jeden Tag Lob zu erwarten." Darum gebe es zum Beispiel Jahresgespräche und Zielvereinbarungen: "Mitarbeiter sollen dadurch unabhängiger vom Chef arbeiten."
 
Anders sieht es allerdings aus, wenn ein Mitarbeiter nie eine Rückmeldung erhält. Dann müssten sich Betroffene fragen, ob das bewusst und systematisch geschieht, während andere Kollegen regelmäßig Feedback bekommen. Dann könnte das "in Richtung Mobbing" gehen, warnt Baier. In solchen Fällen sollten sich Betroffene gegebenenfalls an ihren Betriebsrat oder die Gewerkschaft wenden.
 
Weit häufiger dürften jedoch ganz andere Ursachen zu Grunde liegen, ergänzt Jürgen Hesse aus Berlin, Autor des Ratgebers "Selbstbewusstsein". So gebe es Chefs, die Angst vor den Folgen von Lob haben, weil sie befürchten, dass das Personal gleich mit Gehaltsforderungen kontert oder sich eine besser bezahlte Stelle sucht.
 
Beliebt seien auch Spielchen nach dem Motto "Zuckerbrot und Peitsche": Werden Lob und Kritik scheinbar willkürlich verteilt, dann spreche das dafür, dass der Vorgesetzte "die Meute so zu Leistung anstacheln will", sagt Hesse. Nicht zuletzt gebe es genügend Chefs, die selbst nie gelobt wurden. "Die neigen dazu, an andere weiterzugeben, was sie selbst erlitten haben." Wer sich das bewusst macht, werde fehlendes Lob weniger ernst nehmen.
 
Bestätigung sei allerdings grundsätzlich wichtig, betont Axel Janßen, Coach aus Hamburg. "Das gilt für alles im Leben, sonst fehlt uns ein Maßstab zur Weiterentwicklung." Ob allerdings die Anerkennung unbedingt vom Vorgesetzen kommen muss, hält Janßen für fraglich: "Man sollte sich selbst fragen, warum einem die Sicht des Chefs so wichtig ist."
 
Dafür kann es gute Gründe geben. Wer sich zum Beispiel Sorgen um die Sicherheit seines Arbeitsplatzes macht, komme um das Gespräch mit dem Vorgesetzen nicht herum. "Dann sollte man vielleicht direkt um ein Feedback bitten", rät Janßen. In anderen Fällen sei es sinnvoller, sich mit Kollegen auszutauschen. "Die können die eigene Arbeit oft besser beurteilen als der Chef."
 
Keine Lösung wäre es hingegen, sich zurückzuziehen, warnt Baier: "Wenn es einem bei der Arbeit schlecht geht und man mit niemandem mehr redet, dann wird es immer schlimmer." Doch Betroffene sollten sich nicht nur mit anderen austauschen.
 
Zu viel Selbstbewusstsein sollten Mitarbeiter allerdings auch nicht an den Tag legen. "Wer signalisiert, dass er sich völlig unabhängig von den Ansichten des Vorgesetzten fühlt, riskiert seinen Job", warnt Hesse.
 
Produktiver sei es, sich der eigenen Vorbildfunktion bewusst zu werden, rät Janßen. "Mitarbeiter sollten lernen, selbst Feedback zu geben." Wer mit Kollegen über deren Arbeit spricht, werde andere ebenfalls zum Austausch motivieren. Das könne sogar beim Vorgesetzten seine Wirkung zeigen, ergänzt Hesse: "Jeder möchte vom Chef gelobt werden, aber niemand lobt den Chef. Dabei sind die genauso darauf angewiesen."


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