Copyright  jobpilot
  jobpilot 

BERUF DER WOCHE [ 04.10.2004 ]
Personalentwickler

  Die Aufgaben eines Personalentwicklers können von Firma zu Firma unterschiedlich ausfallen. Kümmert er sich hier nur um die Organisation von Weiterbildungsseminaren, managt er dort aufwändige Programme für Führungskräfte. Die Berufsaussichten für Einsteiger werden von Experten unterschiedlich beurteilt.


"Das Feld Personalentwicklung ist sehr breit", sagt Johannes Thönneßen, Geschäftsführer des Managementportals MWonline. Es beginnt dabei, Aus- und Fortbildungen auszuwählen, um für die nötige Qualifizierung der Mitarbeiter zu sorgen. "Am anderen Ende des Spektrums stehen dann zum Beispiel Nachfolgeregelungen und Nachwuchsprogramme", erläutert Thönneßen, der selbst 15 Jahre als Personalentwickler tätig war.

Aufgaben der Personalentwickler

"Die zentrale Aufgabe des Personalentwicklers ist es, das Entwicklungspotenzial eines Mitarbeiters festzustellen", hebt Dr. Hans Böhm hervor, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). Das tut er mithilfe der so genannten Potenzialanalyse. Assessment Center, strukturierte Gespräche oder auch "Assessment on the Job" - das Beobachten bei der Projektarbeit - sind die Instrumente. Außerdem muss ein Personalentwickler mit Weitblick arbeiten und Bedarfsprognosen erstellen. Die Frage dahinter: Hat man genug Menschen im Unternehmen, die auch den zukünftigen Bedarf decken?

Doch nicht nur die strategische Planung steht im Mittelpunkt. Die Umsetzung ist mindestens genauso wichtig. "Dazu gehört zum Beispiel, einen guten Blick für den einzelnen Menschen zu haben, Gruppenveranstaltungen zu organisieren und zu leiten sowie Fragebogenaktionen durchzuführen", erläutert Professor Dr. Harald Geißler von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, Leiter der Forschungsstelle Coachgutachten. "Die wichtigsten Instrumente des Personalentwicklers sind der Workshop und das Mitarbeitergespräch", hebt er hervor.

"Mitunter gehört sogar das Outplacement von Mitarbeitern zum Aufgabenbereich", ergänzt Christoff Jung, Leiter Personalwesen und Organisation des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau e.V. Aufgabe der PE sei es dabei, den Mitarbeiter "marktfähig" zu machen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Führungskräften und ein guter Draht zu den übrigen Mitarbeitern sind Voraussetzung für erfolgreiche PE.

Wie wird man Personalentwickler?

Einen klassischen Weg in die PE gibt es nicht. Dennoch lassen sich drei Studiengänge besonders häufig bei den Personalentwicklern antreffen:
  • BWL mit dem Schwerpunkt Personalwesen
  • Psychologie
  • Pädagogik
Aber auch Juristen oder andere Quereinsteiger sind akzeptiert. "Neben dem akademischen Background sind Kompetenzen als Trainer und Coach gute Voraussetzungen", betont Axel Janßen, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verband für Coaching & Training (dvct). Ein ideales Profil werde durch Erfahrungen in der zu betreuenden Branche und Erfahrung als Führungskraft abgerundet. Personalchef Christoff Jung hält die BWL für eine besonders gute Basis. "Schließlich rücken wirtschaftliche Kennzahlen auch in der PE immer mehr in den Vordergrund", hebt er hervor.

Einstieg als Referent

"Wer in das Berufsfeld PE einsteigen will, tut dies in der Regel als Referent", sagt Janßen. Ob direkt in der Abteilung für Personalentwicklung oder im allgemeinen Bereich Personalwesen, hängt von der Größe des Unternehmens ab. Denn je größer eine Firma, desto spezialisierter sind auch ihre Mitarbeiter im Personalbereich. Je kleiner, desto eher arbeitet man als Allrounder.

Beim Logistikspezialisten Still GmbH zum Beispiel sind es zehn Personalentwickler und Ausbilder, die in einer eigenen Abteilung im Stammhaus Hamburg für die Qualifizierung der international rund 6000 Mitarbeiter verantwortlich sind. "Unsere Aufgaben sind Aus- und Weiterbildung, das Personalmarketing, Entwicklung und Umsetzung von PE-Programmen und die Organisationsentwicklung", erklärt Tanja Gröber, als Referentin für Personalentwicklung eine dieser fünf.

Umstieg im eigenen Unternehmen

"Oft werden auch Wechsler innerhalb des Unternehmens in der Personalentwicklung eingesetzt", erklärt Axel Janßen vom dvct. Das sind zum Beispiel Mitarbeiter, die aus dem Vertrieb oder Marketing kommen, von daher eine große Erfahrung mitbringen und ihre Qualifikation mit Weiterbildungen im Personalbereich "veredelt" haben. "Das sind begehrte Kandidaten", sagt Johannes Thönneßen von MWonline.

Auch die Freiberuflichkeit ist eine Option für Personalentwickler - und das gar nicht selten. "Viele kleine und mittelständische Unternehmen geben PE-Aufträge an Externe", erklärt Thönneßen. Doch um sich auf diese Art und Weise etablieren zu können, gehören einiges an Berufserfahrung und gute Referenzen dazu. Einen leichteren Einstieg in die Branche schafft man für gewöhnlich als Angestellter.

Persönliche Stärken

In vielen Unternehmen ist die PE als Stabstelle angelegt. Doch nicht nur deswegen, müssen Personalentwickler durchsetzungsfähig und kommunikationsstark sein. "Eine große Herausforderung ist immer wieder, seine Ideen und Vorschläge dem Management zu verkaufen", sagt Johannes Thönneßen. Schließlich habe der Personalentwickler selbst keine Entscheidungsgewalt und sei auf seine Überzeugungskraft angewiesen, um Projekte auch in Zeiten knapper Kassen umzusetzen.

Was Personalentwickler brauchen:
  • Kommunikationsstärke
  • Interpersonelle Kompetenz
  • Fähigkeit zu vermitteln
  • Überzeugungskraft
  • Systematisches Arbeiten
  • Übung in Gesprächsführung und Präsentationstechniken
  • Empathie
  • Konfliktfähigkeit
Berufsaussichten in der PE

Wie die Zukunft für die Personalentwicklung aussieht, da sind sich die Fachleute uneins. Professor Dr. Harald Geißler, Personalexperte von der Helmut-Schmidt-Uni, geht davon aus, dass es zu einer Aufwertung der betriebsinternen Personalentwickler kommen wird. "Die Unternehmen müssen weiter in schnellem Tempo operieren, da sind die Personalentwickler die entscheidenden Leute", meint er.

An ihnen könne nicht gespart werden. Personalleiter Christoff Jung vom Diakonischen Werk sieht das anders. "In Zeiten knapper Kassen wird die PE zurückgeschraubt", erwartet er. Im Moment sei die Situation für einen Berufseinstieg eher schwierig. "Längerfristig, also für die jetzigen Studienanfänger, kann die PE aber durchaus wieder eine Perspektive sein", meint der Personalchef.

Weitere Informationen

Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V.
dgfp.de

Deutscher Verband für Coaching & Training e.V.
www.dvct.de

Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e.V.
www.diakonie-hessen-nassau.de

Helmut-Schmidt-Universität (Universität der Bundeswehr Hamburg)
www.hsu-hh.de

Managementwissen online GmbH
www.mwonline.de

Still GmbH
www.still.de


(Andrea Pawlik / Bild: Digital Vision)